IFA automotive forum
Aufschwung nach der Krise –
Rekordbesuch beim Autogipfel am 8. Oktober 2009 in Nürtingen

Situation der Automobilwirtschaft
Automobilvertrieb unter ökonomischen und ökologischen Gesichtspunkten
Im Anschluss an die Keynotes referierte der neue Leiter Vertrieb und Marketing Mercedes-Benz Cars, Dr. Joachim Schmidt, über „Vertrieb und Marketing zwischen Emotionen und Ökologie“: Das künftige Spannungsfeld für Daimler skizzierte er anhand der beiden auf der IAA präsentierten Fahrzeuge Mercedes SLS und Smart Elektrodrive. Trotz Energiedebatte spiele die Emotion auch künftig eine bedeutende Rolle. Und: es werde noch viele Jahre dauern, bis mit nennenswerten Absatz- und Bestandsgrößen im Segment der Elektrofahrzeuge zu rechnen sei.
Um Kostenaspekte im Automobilvertrieb ging es dann im nachfolgenden Referat von Karsten Engel, Leiter Vertrieb Deutschland BMW Group. Danach werde der Vertrieb künftig noch herausfordernder als bislang. Gerade im Premiumbereich, mit Kundenanforderungen auf hohem Niveau, werden Service und unterstützende Dienstleistungen immer wichtiger. Dies stelle hohe Anforderungen an Vertrieb und Handel. Wie sein Vorredner, Dr. Joachim Schmidt, prognostizierte Karsten Engel bezüglich des Neuwagenmarktes für das kommende Jahr ein Gesamtvolumen von 2,6 bis 2,8 Mio. Fahrzeuge, hinsichtlich des Premiumsegments liegt der Prognosewert bei 800.000 Pkw und Kombis. Dabei setzt er vor allem darauf, dass sich der Verkauf an gewerbliche Kunden deutlich erholt.
Servicegeschäft unter Druck
Während den Abschluss des Vormittages die Referate von Willi Weber und Dirk Breuer – beide Toyota Deutschland – zur Ökologie-Offensive bei Fahrzeugen und im Autohaus bildeten, war ein wesentlicher Schwerpunkt am Nachmittag das Servicegeschäft. Dr. Michael Kern, Vorsitzender der Geschäftsleitung A.T.U Handels GmbH & Co. KG, präsentierte unter dem Titel „Der deutsche Kfz-Servicemarkt im Wandel“ Kennzahlen und Rahmenbedingungen des Servicemarktes. Seiner Analyse zufolge sei die Anzahl der Serviceaufträge seit 1996 kontinuierlich gesunken und werde auch noch weiter zurückgehen. Seiner Meinung nach ließen sich Marktanteile im Service künftig nur noch über Verdrängung hinzugewinnen. 2010 schätzt der A.T.U-Chef als sehr schwieriges Jahr sowohl für Hersteller und Händler ein. „Das dürfte aber denen helfen, die übrig bleiben“, so Kern. Jochen Coelsch, Direktor Ford Service Organisation Ford Werke GmbH, nahm in seinem Vortrag den „Kampf um den Kunden“ gerne auf. Coelsch ist davon überzeugt, dass sich die Umweltprämie für die Ford-Werkstattpartner positiv auswirkt. Denn: Ford war mit einem Plus von 60.000 Neufahrzeugen einer der Gewinner der Abwrackprämie. Jetzt gelte es, den Kunden jüngerer Fahrzeuge über den Service in der Wertschöpfungskette zu halten und die eigenen Kunden zu loyalisieren.
Handel fordert gerechte Risikoverteilung
Im letzten Veranstaltungsblock kam mit Hans-Jürgen Persy, Vorstandsvorsitzender Löhr & Becker AG, dann zunächst ein Handelsvertreter zu Wort. Er forderte ein verändertes Geschäftsmodell - vor allem hinsichtlich der Lastenverteilung zwischen Hersteller und Handel. „Ein ‚weiter so’ könne es nicht geben. Jetzt gelte es, bestehende Zielkonflikte offen zu diskutieren und konsequent auszuräumen. „Die Rendite ist für beide Seiten der entscheidende Indikator für eine gesunde und leistungsfähige Partnerschaft“, so Persy. Den Abschluss des Jubiläumskongresses bildete schließlich das Referat von Rolf Schumann, Europa-Chef von Better-Place. Er ging auf die Möglichkeiten der Stromversorgung von Elektrofahrzeugen ein. Dabei spielen neben Ladestationen auch Batterie-Wechselstationen eine wesentliche Rolle. Die Reichweitenproblematik von Elektrofahrzeugen könnte seinen Ausführungen zufolge mit einer ensprechenden Infrastruktur nachhaltig reduziert werden.
In ihrer schwersten Krise hat die Autobranche während des „Automobilgipfels“ in Nürtingen den Blick nach vorn gerichtet. Der Branchentreff sollte gemäß des gewählten Mottos Chancen aufzeigen, nicht Probleme analysieren – und es gelang. Hersteller und Handel diskutierten nicht nur lebhaft über den Vertrieb und Service der Zukunft. Es standen ebenso neue Technologien sowie Ansätze, der Krise nachhaltig zu begegnen, im Mittelpunkt der Veranstaltung.
Wir sind umgezogen
Das Institut für Automobilwirtschaft (IFA) an der Hochschule für Wirtschaft und Umwelt ist umgezogen. Sie finden uns ab sofort in Geisllngen/Steige in der Parkstraße 4. Bitte beachten Sie die neuen Kontaktdaten:
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